Material & Themen

Einkommen und Arbeit

Arbeit und Einkommen der Frauen heute: Überlegungen zur Gleichstellung aus einer feministischen-ökonomischen Perspektive.

Unter diesem Titel bot Economiefeministe an der Sommeruni 2021 in Bern einen Workshop an. Im Zentrum stand die Tatsache, dass Frauen und Männer im erwerbsfähigen Alter heute in der Schweiz etwa gleich viele Stunden arbeiten, Frauen aber dennoch jährlich über rund 100 Milliarden Franken weniger Einkommen verfügen als Männer.

Die Präsentation zum Workshop kann hier heruntergeladen werden.

Gratisarbeit ist Teil der Schweizer Wirtschaft

Mascha Madörin, Schweizer Pionierin der feministischen Ökonomie, erklärt, wie die 100 Milliarden Franken schwere Einkommenslücke zwischen Frauen und Männern in der Schweiz Zustande kommt; wie sie überhaupt dazu kam, diese Zahl zu berechnen; welche Erkenntnisse sie aus den Frauenbewegungen der 70er Jahre zog; welche Herausforderungen sich in Zukunft stellen werden; und welche Debatten wir heute dringend führen müssen.

Marlène Sandrin: Gratisarbeit ist Teil der Schweizer Wirtschaft. In: www.srf.ch/audio/regionaljournal-basel-baselland/mascha-madoerin-gratisarbeit-ist-teil-der-schweizer-wirtschaft?partId=12002390. Ausgestrahlt am 11. Juni 2021

Unbezahlte Arbeit

Unbezahlte Haus- und Familienarbeit

In welchem Verhältnis steht unbezahlte Arbeit zum Rest der Wirtschaft? Von welchen Grössenordnungen sprechen wir in diesem Zusammenhang und wie hat sich das unbezahlte Arbeitsvolumen, aber auch die Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen den Geschlechtern in den letzten dreissig Jahren in der Schweiz entwickelt? In diese und andere Fragen rund um unbezahlte Arbeit führt das Dokument Einführung: Unbezahlte Haus- und Familienarbeit ein und macht darüber hinaus deutlich, warum es dabei nicht nur um die Verteilung zwischen den Geschlechtern, sondern auch um die Verteilung auf gesamtgesellschaftlicher Ebene geht. Und: warum Massnahmen zur Entlastung von Haushalten und zur Herstellung ökonomischer Gleichstellung in zwei Währungen aufgehen müssen: in Geld und Zeit.

 

Präsentation zu unbezahlter Haus- und Familienarbeit am Expertinnen-Hearing der Kommission für Anerkennung Freiwilligen- und Care-Arbeit im Rahmen der Frauensession 2021

Die Schweiz gehört bezüglich öffentlichen Sorge-Infrastrukturen und zeitlichen wie auch finanziellen Entlastungsmassnahmen für Familien und Haushalte zu den Schlusslichtern Europas. Die Folgen tragen zu einem grossen Teil die Frauen, weil sie den überwiegenden Teil der unbezahlten Haus- und Familienarbeit leisten. Darüber haben wir im Expertinnen-Hearing der Kommission für die Anerkennung der Freiwilligen- und Care-Arbeit gesprochen: Wir sollten uns im Minimum dem europäischen Standard angleichen. Und dafür braucht es dringend mehr Zeit und Geld für Sorge- und Versorgungsarbeit.

Freiwilligenarbeit

Freiwilligenarbeit macht zwar einen verhältnismässig geringen Anteil der unbezahlten Arbeit aus, beziffert jedoch im Vergleich zu anderen Wirtschaftssektoren dennoch ein namhaftes Volumen. Welche Formen der Freiwilligenarbeit es gibt, in welchem Verhältnis sie zueinander aber auch zum Rest der Wirtschaft stehen, welchen monetären Wert sie hat und von wem sie überwiegend geleistet wird: Das Dokument Einführung: Freiwilligenarbeit stellt die Grundlagen zu diesen Fragen zusammen und führt in Ansätze zur monetären Anerkennung dieser Arbeit ein, wobei die Erziehungs- und Betreuungsgutschriften in der AHV als Anknüpfungspunkt dienen.

 

Präsentation zur Freiwilligenarbeit am Expertinnen-Hearing der Kommission für Anerkennung Freiwilligen- und Care-Arbeit im Rahmen der Frauensession 2021

In der Schweiz wird bedeutend mehr Freiwilligenarbeit (664 Millionen Stunden pro Jahr) geleistet, als in der gesamten öffentlichen Verwaltung (296 Millionen Stunden pro Jahr) gearbeitet wird. Frauen leisten pro Jahr 90 Millionen Stunden mehr Freiwilligenarbeit, als Männer. Grossmütter leisten mit jährlich 113 Millionen Stunden über die Hälfte der informellen Kinderbetreuung. Wie können insbesondere Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen (finanziell) anerkannt und aufgewertet werden?

Wissenschaft

Warum die Schweiz feministische Wirtschaftswissenschaften braucht

Mascha Madörin

Ähnlich wie im Fall der Ökobewegung sind aus den Debatten der Frauenbewegungen der 1970- und 1980er Jahren Initiativen und internationale Netzwerke feministischer Ökonom*innen entstanden. Seit 1995 gibt es eine Fachzeitschrift «Feminist Economics» und ein internationaler Verband femininistischer Ökonom*innen. Es gibt ein paar wenige Nischen, beispielsweise in den USA und im Vereinigten Königreich, wo sich Ökonom*innen der Lehr- und Forschungstätigkeit in Sachen feministische Ökonomie widmen können. In der Schweiz gibt es auf universitärer Ebene diese Nischen nicht.
Trotzdem hat die feministische Ökonomie als Zweig in den letzten 25 Jahren grosse Fortschritte gemacht, in drei Hinsichten:

  • In der Thematisierung von Forderungen von Frauenbewegungen und -gruppen: z.B. Lohndiskriminierung, Aspekte der Sozialversicherungen, etc.
  • Im Versuch «Gender and Economics» respektive die Geschlechterverhältnisse in den verschiedensten ökonomischen Fragestellungen zum Thema zu machen. Das ist besonders wichtig für eine Analyse der Auswirkungen irgendwelcher wirtschaftspolitischer Massnahmen auf Frauen.
  • Spätestens seit der Finanzkrise und anlässlich der Coronakrise wird ein Thema immer wichtiger: der riesige Wirtschaftssektor der Sorge- und Versorgungswirtschaft (Social Provisioning oder Care Economy genannt). Er ist der entscheidende Sektor, um zu Lebensstandard und Wohlfahrt überhaupt relevante Analysen machen zu können. In den Wirtschaftswissenschaften fehlt diese Kategorie völlig.

Die Schweiz ist in der Rezeption all dieser Entwicklungen leider arg im Rückstand. Es fehlen Forschungsgelder und entsprechende Institutionen, die eine kontinuierliche wirtschaftswissenschaftliche Arbeit, Forschung und Ausbildung in Sachen feministische Ökonomie ermöglichen. Wir brauchen eine entsprechende universitäre Ausbildung, in denen die Voraussetzungen für die wirtschaftstheoretische und -politische Expertise der Ökonom*innen geschaffen wird.

Die Präsentation zum Download: Warum die Schweiz feministische Wirtschaftswissenschaften braucht.

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