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Veröffentlicht am: 27. Januar 2026

Lohn und Einkommen – die Lücke bleibt

Kommentiert von Christine Rudolf

Im November 2025 hat das Bundesamt für Statistik (BFS) in der Schweiz die Entwicklung der Lohnlücke zwischen Frauen und Männern aus der Lohnstrukturerhebung (LSE) für das Jahr 2024 veröffentlicht. Die LSE kommt zu dem Ergebnis, dass sich der Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern in der Schweiz verringert hat (siehe Grafik).

Diese Statistik wird vom BFS wie folgt kommentiert: „Die geschlechterspezifischen Lohndifferenzen lassen sich teilweise durch unterschiedliche Merkmale der Person (z. B. Bildungsniveau, Alter) oder der besetzten Stelle (das Verantwortungsniveau am Arbeitsplatz und der Wirtschaftszweig) erklären. Diese Lohnunterschiede widerspiegeln die unterschiedliche berufliche Integration der Frauen und Männer auf dem Arbeitsmarkt.“ (Bundesamt für Statistik 2025).

Beitragsbild: Eigene Darstellung

Kategorien: Blog
Schlagwörter: Arbeit und Einkommen, Christine Rudolf, Lohndiskriminierung, Lohnunterschiede
Entwicklung der Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern in Prozent, gemessen am Medianlohn der Männer, Schweiz 2018-2024
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Louisa Roos hat erst kürzlich zur Berechnung der Lohnlücke ein wichtiges methodisches Faktenblatt veröffentlicht. Sie führt darin aus, dass es einen erheblichen Unterschied macht, welche Gruppe der Bevölkerung bei dieser Berechnung als Referenz dient. Das BFS berechnet die Lohndifferenz, wie international üblich, auf Basis der Einkommen der Männer. Wird der Lohnunterschied auf Basis der Löhne von Frauen berechnet, fällt er wesentlich höher aus. Für das Jahr 2022 weist Roos einen Unterschied von ca. 5 Prozent nach.
Das würde für das Jahr 2024 bedeuten, dass der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern immer noch weit über 10 Prozent liegt.

Der tatsächliche Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern, AGEL

Wieviel Frauen und Männer in der Schweiz tatsächlich auf dem Konto haben, hängt aber von wesentlich mehr Faktoren ab. Die Lohnlücke ist beispielsweise bei Stellen mit Kaderfunktion wesentlich höher als bei Stellen ohne Kaderfunktion. Auf Stellen mit Kaderfunktion befinden sich weit weniger Frauen. Das bedeutet, wären Frauen auf dem Arbeitsmarkt gleichberechtigt und hätten ebenso viele Stellen mit Kaderfunktion als Männer, würde die Lohnlücke wesentlich grösser ausfallen. Dies zeigt sich in der Tabelle zu den Lohnunterschieden zwischen Stellen mit und ohne Verantwortung und in der folgenden Grafik zur Lohnpyramide.

Lohnunterschied bei Stellen mit und ohne Verantwortung, Schweiz

Lohnunterschied bei Stellen mit und ohne Verantwortung, Schweiz
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Lohnpyramide Schweiz 2024
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Darüber hinaus ergibt sich der tatsächliche Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern aus der Arbeitsverteilung. Wie Danielle Axelroud im Blogbeitrag: Arbeit in der Schweiz 2024 zeigt, arbeiten weitaus mehr Frauen in Teilzeit, auch weil sie den größeren Teil ihrer Arbeitszeit in der unbezahlten Arbeit verbringen: „über 2/3 der Zeit arbeiten Frauen ohne Bezahlung.“

Einkommenslücke

Im Jahr 2018 betrug die tatsächliche Einkommenslücke (AGEL) zwischen Frauen und Männern 101558 Franken, bei einem Gender Overall Earning Gap (GOEG) von 43 Prozent,

wie Mascha Madörin im Faktenblatt Aggregierte geschlechtsspezifische Einkommenslücke ausgewiesen hat. Da sich die Arbeitsverteilung zwischen Frauen und Männern in der Schweiz nicht wesentlich verändert hat, ist davon auszugehen, dass sich dieser Wert bei steigendem Einkommen eher noch vergrößert als verkleinert hat.

Woher rührt die Einkommenslücke?

Einen deutlichen Hinweis darauf, wo die entscheidenden Weichen für diese Segregation auf dem Arbeitsmarkt und in der Lohn- und Einkommenshierarchie zu finden sind, liefert eine neue Studie des ZEW (Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung): „Einkommensverlust nach Geburt weit aus höher als bisher gedacht“. Für Deutschland weist diese Studie nach, dass die bisher getroffene Annahme über die Höhe der Einkommenslücke nach dem vierten Jahr der Geburt eines Kindes um 30 Prozent zu niedrig angenommen wurde. Die Erklärung liegt im Zeitpunkt der Geburt. Frauen, die ihr erstes Kind vor dem 30. Lebensjahr bekommen, können sich beruflich weniger stark entwickeln als Frauen, die erst nach dem 30. Lebensjahr Mutter werden – eine heute zunehmend verbreitete Variante der Mutterschaft. Das spätere Ausscheiden aus dem Arbeitsmarkt für die Familienphase und der schwierige Wiedereinstieg ins Berufsleben, in der Regel in eine Teilzeitbeschäftigung, führt zu einem deutlichen Einkommensverlust. Allerdings haben ältere, berufserfahrenere Gebärende bessere Chancen, wieder in ihr vorheriges Karrierelevel zurückzukehren mit einem geringeren Einkommensverlust als werdende Mütter vor dem 30. Lebensjahr. Das unterschiedliche Messergebnis entsteht durch eine neu angewandte Methode. Beide Methoden beruhen auf Schätzungen. Es bleibt also interessant.

Quellen

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