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Lohn und Einkommen – die Lücke bleibt
Im November 2025 hat das Bundesamt für Statistik (BFS) in der Schweiz die Entwicklung der Lohnlücke zwischen Frauen und Männern aus der Lohnstrukturerhebung (LSE) für das Jahr 2024 veröffentlicht. Die LSE kommt zu dem Ergebnis, dass sich der Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern in der Schweiz verringert hat (siehe Grafik).
Diese Statistik wird vom BFS wie folgt kommentiert: „Die geschlechterspezifischen Lohndifferenzen lassen sich teilweise durch unterschiedliche Merkmale der Person (z. B. Bildungsniveau, Alter) oder der besetzten Stelle (das Verantwortungsniveau am Arbeitsplatz und der Wirtschaftszweig) erklären. Diese Lohnunterschiede widerspiegeln die unterschiedliche berufliche Integration der Frauen und Männer auf dem Arbeitsmarkt.“ (Bundesamt für Statistik 2025).
Beitragsbild: Eigene Darstellung
Das würde für das Jahr 2024 bedeuten, dass der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern immer noch weit über 10 Prozent liegt.
Der tatsächliche Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern, AGEL
Wieviel Frauen und Männer in der Schweiz tatsächlich auf dem Konto haben, hängt aber von wesentlich mehr Faktoren ab. Die Lohnlücke ist beispielsweise bei Stellen mit Kaderfunktion wesentlich höher als bei Stellen ohne Kaderfunktion. Auf Stellen mit Kaderfunktion befinden sich weit weniger Frauen. Das bedeutet, wären Frauen auf dem Arbeitsmarkt gleichberechtigt und hätten ebenso viele Stellen mit Kaderfunktion als Männer, würde die Lohnlücke wesentlich grösser ausfallen. Dies zeigt sich in der Tabelle zu den Lohnunterschieden zwischen Stellen mit und ohne Verantwortung und in der folgenden Grafik zur Lohnpyramide.
Lohnunterschied bei Stellen mit und ohne Verantwortung, Schweiz
Einkommenslücke
Im Jahr 2018 betrug die tatsächliche Einkommenslücke (AGEL) zwischen Frauen und Männern 101558 Franken, bei einem Gender Overall Earning Gap (GOEG) von 43 Prozent,
wie Mascha Madörin im Faktenblatt Aggregierte geschlechtsspezifische Einkommenslücke ausgewiesen hat. Da sich die Arbeitsverteilung zwischen Frauen und Männern in der Schweiz nicht wesentlich verändert hat, ist davon auszugehen, dass sich dieser Wert bei steigendem Einkommen eher noch vergrößert als verkleinert hat.
Woher rührt die Einkommenslücke?
Einen deutlichen Hinweis darauf, wo die entscheidenden Weichen für diese Segregation auf dem Arbeitsmarkt und in der Lohn- und Einkommenshierarchie zu finden sind, liefert eine neue Studie des ZEW (Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung): „Einkommensverlust nach Geburt weit aus höher als bisher gedacht“. Für Deutschland weist diese Studie nach, dass die bisher getroffene Annahme über die Höhe der Einkommenslücke nach dem vierten Jahr der Geburt eines Kindes um 30 Prozent zu niedrig angenommen wurde. Die Erklärung liegt im Zeitpunkt der Geburt. Frauen, die ihr erstes Kind vor dem 30. Lebensjahr bekommen, können sich beruflich weniger stark entwickeln als Frauen, die erst nach dem 30. Lebensjahr Mutter werden – eine heute zunehmend verbreitete Variante der Mutterschaft. Das spätere Ausscheiden aus dem Arbeitsmarkt für die Familienphase und der schwierige Wiedereinstieg ins Berufsleben, in der Regel in eine Teilzeitbeschäftigung, führt zu einem deutlichen Einkommensverlust. Allerdings haben ältere, berufserfahrenere Gebärende bessere Chancen, wieder in ihr vorheriges Karrierelevel zurückzukehren mit einem geringeren Einkommensverlust als werdende Mütter vor dem 30. Lebensjahr. Das unterschiedliche Messergebnis entsteht durch eine neu angewandte Methode. Beide Methoden beruhen auf Schätzungen. Es bleibt also interessant.
Quellen
- Axelroud, Daniel, 2025: Arbeit in der Schweiz 2024. economiefeministe.ch/arbeit-in-der-schweiz-2024.
- Bundesamt für Statistik, BSF in der Schweiz: Medienmitteilung vom 25.11.2025, Lohnstrukturerhebung (LSE).
- Madörin, Mascha, 2024: Einkommenslücke AGEL: Überblick Schweiz. Faktenblatt: economiefeministe.ch/project/einkommensluecke.
- Roos, Louisa, 2025: Zwischen Statistik und Gerechtigkeit: Die geschlechtsspezifische Lohnlücke im Fokus. Faktenblatt
- ZEW – Forschung: Einkommensverlust nach der Geburt weit aus höher als bisher gedacht, 24.10.2025.
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