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Veröffentlicht am: 22. September 2026

Lisa D. Cook, Gouverneurin und Professorin – Trump will sie partout entlassen

Blog von Mascha Madörin

Wie im Economiefeministe-Newsletter vom September 2025 berichtet, hatte Trump Lisa D. Cook im August 20251 https://economiefeministe.ch/lisa-d-cook-gouverneurin-und-professorin-zielscheibe-von-donald-trump/ fristlos aus dem Vorstand der Federal Reserve Bank entlassen. Cook hat dagegen rekurriert und die Entlassung wurde provisorisch aufgehoben. Am 29. Juni 2026 hat nun das Oberste Gericht mit knapper Mehrheit (5 zu 4) definitiv entschieden, dass Cook zu Unrecht fristlos entlassen wurde. Sie hatte gerade eine Woche Zeit, aufzuatmen. Dann hat Trump erneut angekündigt, er wolle eine neue Klage starten.

Die Entscheidung des Obersten Gerichts ist mehr als zweischneidig. Die Entlassung war laut Gericht nicht rechtens, da Cook keine Möglichkeit hatte, sich zu verteidigen. Prinzipiell könne Trump, so das Gericht, eine Entlassung erneut einleiten, müsse sich dabei aber an die vorgeschriebenen Verfahren halten.

In der heiss umstrittenen Frage, ob und ab wann der US-Präsident überhaupt Leute aus der Federal Reserve Bank (US-Nationalbank) entlassen darf, hat sich das Oberste Gericht nur vage ausgesprochen. Es hat zwar an der Begründung festgehalten, dass die Fed einen besonderen Status der Unabhängigkeit hat – im Unterschied zu allen anderen Institutionen der Bundesverwaltung. Diese Unabhängigkeit lasse jedoch Raum für begründete Entlassungen durch den Präsidenten. Aber im Unterschied zu anderen Behörden des Staates braucht es laut dem Gericht gerichtliche Entscheidungen darüber, ob ein Vergehen so schwerwiegend ist, dass es eine Entlassung durch den Präsidenten rechtfertigt. Das Gericht hat die Messlatte dessen, was ein triftiger Entlassungsgrund sein kann, niedriger gelegt als bisher angenommen wurde.

Beitragsbild: Lisa D. Cook bei ihrer Vereidigung als Mitglied des Federal Reserve Board, 23. Mai 2022. Foto: Federal Reserve Board / Public Domain

Kategorien: Blog
Schlagwörter: afroamerikanische Ökonominnen, Bürgerrechtsbewegung, Diskriminierung, Donald Trump, Economiefeministe, Fed, Federal Reserve, Frauen in der Wirtschaft, Geldpolitik, Hypothekenbetrug, Lisa D. Cook, Mascha Madörin, Oberster Gerichtshof, Supreme Court, Unabhängigkeit der Zentralbank, US-Notenbank, Wirtschaftspolitik

Bei den Vorwürfen gegen Cook geht es darum, dass sie bei zwei Hauskäufen angegeben hat, diese als Wohnsitz nutzen zu wollen. Hypotheken für den Wohnsitz sind oft vergünstigt und zwei Wohnsitze für eine solche Vergünstigung nicht zulässig. Das Gericht lässt offen, was es von den Vorwürfen hält, zeigt sich aber skeptisch gegenüber den Beweismitteln, welche die Trump-Kläger vorgewiesen haben. Der bis Mai amtierende Fed-Präsident liess verlauten, dass der Entlassungsgrund nicht triftig genug sei und er deshalb Frau Cook nicht entlassen habe.
Trump sieht das anders. Eine Woche nach der Veröffentlichung des Urteils teilte das Weisse Haus offiziell mit, dass Trump beabsichtige, Cook wegen Hypothekenbetrugs zu entlassen. Bis zum 26. August 2026 habe sie Zeit, darauf zu antworten. Ihr wird von den Trump-Anwälten, wenn nicht Betrug, dann zumindest grobe Fahrlässigkeit vorgeworfen. Inzwischen liegt Cooks Antwortschreiben vor. Darin wird dargelegt, dass es sich nicht um eine absichtliche Rechtsverletzung handle und die Anwälte von Trump bis heute nicht nachgewiesen hätten, dass Cook zwei Mal von Zinsvergünstigungen profitiert hat. Zudem behauptet der Anwalt im Brief, dass mehrere hohe Beamte der aktuellen Regierung und auch Trump über mehrere Häuser verfügen, die als Hauptwohnsitze angemeldet sind.2Quellen: Financial Times online vom 30. Juni, 7. und 17. August.

Mit der fristlosten Entlassung von Cook wollte Trump zwei Fliegen auf einen Schlag treffen:

  1. Die Unabhängigkeit des Fed von der US-Regierung untergraben. Das ist ihm nur sehr beschränkt gelungen. Dieses Urteil des Obersten Gerichts hat die Doktrin der Unabhängigkeit des Fed nur wenig angekratzt, nur so, dass Linda D. Cook noch immer nicht vor einer Entlassung durch Trump geschützt ist.
  2. Cook gehört wie Obama zur ersten afro-amerikanischen Generation, von der einige VertreterInnen es bis in die obersten Schichten der US-Elite geschafft haben und die Trump hasst, insbesondere dann, wenn sie die Ideale der schwarzen Bürgerrechtsbewegung weiterhin vertreten, wie eben Cook. Es lohnt sich, ihr Curriculum als Wirtschaftswissenschafterin und Professorin zu lesen. Sie setzt sich für die Förderung von StudentInnen aus ethnischen Minderheiten ein und hat u. a. zu den ökonomischen Auswirkungen der Gewalt gegen Afro-AmerikanerInnen geforscht.3 https://de.wikipedia.org/wiki/Lisa_D._Cook Ebenso hat sie sich wie schon im Blog (Fussnote 1) Economiefeministe-Newsletter berichtet, aktiv gegen Diskriminierung von Frauen im Wirtschaftsstudium eingesetzt.

Die Wahl von Lisa D. Cook in den Fed-Vorstand wurde 2023 bestätigt – mit einer Laufzeit von 15 Jahren, bis 2038 also… Ob Trump mit seiner neuen Entlassungsabsicht durchkommen wird, bleibt offen.

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