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Bedingungsloses Grundeinkommen: Aktueller Forschungsstand, feministische Perspektiven und politökonomische Einordnung

Von Gudrun Kaufmann,
Universität Freiburg

Einleitung

Ein Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) wird als eine regelmäßige Geldzahlung definiert, die allen Menschen individuell und bedingungslos gewährt wird – ohne Bedürftigkeitsprüfung und ohne Arbeitsverpflichtung.

Die Idee eines Grundeinkommens ist alt und taucht in unterschiedlichen Kontexten immer wieder auf. Seit den 1980er Jahren wird sie in Europa und zunehmend global als konkrete Reformoption angesichts multipler Krisen diskutiert – zunächst vor allem in akademischen und aktivistischen Kreisen, inzwischen aber auch in internationalen Organisationen (u. a. Weltbank, ILO, UN-Organisationen und IWF) im Kontext von universal cash transfers, social inclusion und social protection floor (Gentilini et al., 2020, ILO & World Bank, 2019, Ortiz, 2019, UNESCAP, 2018).

Parallel dazu haben erste Parteien BGE-Forderungen in ihre Grundsatzprogramme aufgenommen. Meinungsumfragen zeigen über viele Länder hinweg eine hohe Zustimmung – besonders in Ländern mit schwächer ausgebauten Sozialstaaten sowie unter Frauen, armutsbetroffenen und höher gebildeten Personen (Busemeyer et al., 2023, Roosma & van Oorschot, 2020). 2016 sorgte das weltweit erste Referendum über ein BGE in der Schweiz international für Schlagzeilen, ebenso wie das finnische Grundeinkommensexperiment (2017–2018) (Kangas et al., 2021). Seitdem ist die Zahl von Pilotprojekten und lokalen Experimenten stark angestiegen (Gentilini et al., 2020, UNDP, 2024, West et al., 2023).

Während der Corona-Pandemie hat die Debatte um universelle Transfers und Einkommenssicherung einen erneuten Schub bekommen. Innerhalb des Netzwerks BIEN1Vgl. BIEN (Basic Income Earth Network): https://basicincome.org/. wurde seit Jahren darüber spekuliert, welches Land wohl als erstes ein BGE einführen würde – ob Brasilien, Südkorea oder Südafrika. Tatsächlich wurde Ende November 2025 auf den Marshallinseln ein universelles Grundeinkommen eingeführt und erstmals an alle registrierten Staatsbürger:innen ausgezahlt. Die Zahlungen werden digital abgewickelt und über eine staatliche Schuldstruktur finanziert, die vollständig durch kurzfristige US-Staatsanleihen als Sicherheiten (Collateral) gedeckt ist (IMF, 2025).

Die Forschungsliteratur zum Grundeinkommen hat in den letzten zwei Jahrzehnten rasant zugenommen; einen umfassenden und sehr detaillierten Überblick bietet Torry (2023) und BIEN dokumentiert im Datenbankprojekt UBI Data2Datenbankprojekt zu Pilotprojekten: https://ubidata.io/. laufend Ergebnisse aus Pilotprojekten weltweit. Dieser Beitrag bietet einen Überblick über ökonomische Auswirkungen auf der Basis von Pilotprojekten, Mikrosimulationen und Modellstudien – mit besonderem Fokus auf feministische Perspektiven, Care-Ökonomie und politökonomischer Einordnung.

Fussnoten

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Bedingungsloses Grundeinkommen: Aktueller Forschungsstand, feministische Perspektiven und politökonomische Einordnung

Von Gudrun Kaufmann,
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