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••• Faktenblatt zu Jobgarantie: ein französisches Projekt

Territoires Zéro Chômeur de Longue Durée

Jobgarantie: ein französisches Projekt

Faktenblatt von Josephine Schmidt*

Zentrale Prinzipien

«Regionen ohne Arbeitslosigkeit» (Territoires zéro chomeur de longue durée, TZCLD) sind ein arbeitsmarktpolitisches Experiment, das seit 2016 in Frankreich besteht. Das Projekt ähnelt in seinen zentralen Prinzipen einer Jobgarantie: einer öffentlichen Finanzierung von sinnstiftendender Arbeit und ihrer Vermittlung. Dahinter steht die Haltung, dass Langzeitarbeitslosigkeit kein individuelles Versagen, sondern eine soziale Problematik ist, die es lokal und kollektiv zu bearbeiten gilt. Häufig liegt Langzeitarbeitslosigkeit nicht an Beschäftigungsfähigkeit oder einem Mangel an Bedarf an Arbeitskräften, sondern an strukturellen Voraussetzungen, wie der Finanzierung von sinnvollen und sinnstiftenden Arbeitsplätzen.

Das Projekt folgt dabei drei Postulaten, die an Minskys Forderung nach einer Umkehrung der Konkurrenzlogik auf dem Arbeitsmarkt erinnert (Minsky 1968, in Randall Wray 2007, S. 5). In der französischen Verfassung von 1946 ist «das Recht auf eine Anstellung» festgeschrieben (Präambel der französischen Verfassung vom 27. Oktober 1946, Abs. 5). Das Projekt versucht, dies in die Tat umzusetzen. Die über das Projekt geschaffenen Arbeitsplätze sollen erstens an die Fähigkeiten, Einschränkungen und Präferenzen der Arbeiter*innen angepasst werden. Zweitens wird davon ausgegangen, dass ein großer Bedarf für gesellschaftlich nützliche und notwendige Arbeit in sozial und ökologischen Tätigkeitsfeldern existiert, jedoch vom Markt nicht abgedeckt wird. Dafür werden drittens öffentliche passive Ausgaben für die Finanzierung von neuen Arbeitsplätzen umgelenkt, da Langzeitarbeitslosigkeit langfristig gesehen für den Sozialstaat teurer ist. Das innovative an dem französischen Projekt TZCLD ist, dass die langzeitarbeitslosen Personen von Anfang an aktiv Teil dieses Prozesses sind. Ausgehend von ihren Interessen und Fähigkeiten gründen sie Firmen im Bereich der Sozial- und Solidarwirtschaft, im Umweltschutz und Kreislaufwirtschaft, lokaler Dienstleistungen im Sozialraum, solidarischer Landwirtschaft oder kooperativen Lebensmittelläden.

Faktenblatt

Geschlechtsspezifische Lohnlücke

Territoires Zéro Chômeur de Longue Durée

Jobgarantie: ein französisches Projekt.

Von Josephine Schmidt

Zielgruppe des Projekts

Zielgruppe des Projekts sind Personen, die dauerhaft von einem Zugang zu Erwerbsarbeit ausgeschlossen sind, seit mindestens 12 Monaten keiner Erwerbsarbeit nachgehen, nur diskontinuierlich beschäftigt (d.h. in kurzzeitigen und befristeten Verträgen sind), oder unfreiwillig in Teilzeit arbeiten. Seit Bestehen haben mehr als 6000 Personen über das Projekt einen Weg aus der Langzeitarbeitslosigkeit gefunden. Davon haben ca. ein Drittel eine Beschäftigung außerhalb des Projekts nach einer Beschäftigung im Projekt gefunden.

Organisation des Projekts

Das Projekt organisiert sich regional. Ziel ist es allen Menschen, die in einer festgelegten Region unfreiwillig von Langzeitarbeitslosigkeit, prekärer Beschäftigung oder Teilzeitarbeit betroffen sind, ein Beschäftigungsangebot zu machen, das ihren Wünschen und Fähigkeiten entspricht. So entstehen Regionen ohne Langzeitarbeitslosigkeit (Territoires zéro chômeur de longue durée).

Die Regionen, die zu einer «Region ohne Arbeitslosigkeit» werden möchten, gründen sogenannte «Konsensfabriken» (Fabriques de consensus). In diesen mobilisieren sich politische Vertreter aus der Kommune oder Gemeinde, soziale und politische Vereine, wirtschaftliche Unternehmen, Akteure der Arbeitsvermittlung und Eingliederungshilfen und vor allen Dingen die lokale Bevölkerung für die Umsetzung des Projekts in ihrer Region. Diese Mobilisierungsphase mit möglichst vielen lokalen Akteuren ist entscheidend dafür, ob eine Region ohne Arbeitslosigkeit entsteht und bestehen bleibt.

Über die Akteure der Konsensfabriken entstehen lokale «Beschäftigungskomitées» (Comité local pour l’emploi). Diese lokalen Kollektive vereinen diejenigen Akteure, die sich tatsächlich für die Umsetzung eines Rechts auf Arbeit in ihrer Region einsetzen. In den Beschäftigungskomitées wird im Konsens entschieden, in welcher Form das Projekt in der Region umgesetzt wird. Ausgehend von den interessierten Langzeitarbeitslosen, die das Projekt mitinitiieren, werden gewünschte Tätigkeitsfelder gesammelt. Gleichzeitig findet eine Analyse zu nichtgedeckten Bedarfen und Bedürfnissen in der jeweiligen Region statt. Auf dieser Grundlage werden dann sogenannte «Beschäftigungsfirmen» (entreprises à but d’emploi, EBE) gegründet, die sozial und ökologische wertvolle Arbeit konzipieren und umsetzen. Diese Unternehmen entwickeln Tätigkeiten, die den sozialen Zusammenhalt stärken, die ökologische Transformation unterstützen und die lokale Wirtschaft fördern.

Die Beschäftigungsfirmen schaffen Angebote, die das bestehende wirtschaftliche Gefüge in der Region sinnvoll ergänzen. Die Tätigkeitsfelder der Beschäftigungsfirmen dürfen nicht in Konkurrenz zu bereits bestehenden (wirtschaftlichen) Aktivitäten in der Region stehen, sondern ergänzen bewusst bestehende (soziale) Infrastrukturen. Dies stellt sicher, dass das Projekt nicht andere Arbeitsplätze gefährdet. 2026 sind insgesamt 83 Regionen an dem Projekt beteiligt. 92 Beschäftigungsfirmen wurden seit 2016 in ganz Frankreich gegründet, mit durchschnittlich 45 Mitarbeitenden.

Im sozialwissenschaftlichen Diskurs wird das Projekt TZCLD als ein soziales Common definiert (Defalvard 2017) da es Praktiken des commonings an soziale Rechte knüpft. Arbeit mit sozialer und ökologischer Relevanz wird als ein Gemeingut angesehen; die Beschäftigungsgarantie, d. h. ein unbefristeter Arbeitsvertrag, stellt den bedingungslosen, in Gemeinschaft organisierten Zugang zum Gemeingut dar. Das Projekt ist zudem demokratisch organisiert und folgt einer bottom-up Logik, die möglichst alle relevanten Beteiligungsebenen und Interessierten integriert. Die Entwicklung von Fähigkeiten und eine Erweiterung des Handlungsspielraums der Teilnehmenden ist das Ziel von sozialen Commons (Semenowicz 2016).

Finanzierung des Projekts

Die Finanzierung des Projekts beruht auf der Idee, bisher „passive“ Kosten von Langzeitarbeitslosigkeit in die Finanzierung von Arbeitsplätzen umzulenken. Konkret bedeutet das, dass sozialstaatliche Ausgaben (z.B. Leistungen wie Arbeitslosengeld oder Mittel der Erwerbsminderungshilfe) und Mindereinnahmen (z.B. fehlende Sozialbeiträge, geringere Steuerbeiträge und Konsumsteuer) genutzt werden, um einen Arbeitsplatz in dem Projekt zu finanzieren. Das System der sozialen Sicherung in Frankreich wird dafür nicht reformiert. Die Berechnung umfasst Leistungen, die von einer Person nicht mehr in Anspruch genommen werden (müssen), da sie einen Arbeitsplatz in dem Projekt gefunden hat.

Zentraler Akteur ist der für das Projekt geschaffene „Fonds für das territoriale Experiment zur Bekämpfung von Langzeiterwerbslosigkeit“ (Fonds d’expérimentation territoriale contre le chômage de longue durée, ETCLD), der für jeden in einer Beschäftigungsfirma geschaffenen Arbeitsplatz einen Großteil der Lohnkosten übernimmt. Diese finanziellen Mittel stammen vom Staat und werden durch Beiträge der Landkreise (Départements) ergänzt. Indirekt finanziert sich dies über die eingesparten Sozialleistungen und zusätzlichen Einnahmen, die durch die Integration der vormals Erwerbslosen in beitragspflichtige Beschäftigung entstehen. Das Finanzierungsmodell zielt dabei auf eine weitgehende Budgetneutralität durch die Reduzierung von Transferausgaben und steigende Beitrags- und Steuereinnahmen.

Für jede in einer Beschäftigungsfirma geschaffene Stelle übernimmt der «Fonds für das territoriale Experiment zur Bekämpfung von Langzeiterwerbslosigkeit» einen pauschalierten Anteil der Lohnkosten pro Vollzeitäquivalent auf Mindestlohnbasis. Dieser Anteil wird durch staatliche Mittel und Beiträge der Landkreise als sogenannter «Beitrag zur Beschäftigungsentwicklung» (Contribution au développement de l’emploi, CDE) finanziert, während die Beschäftigungsfirmen selbst ergänzend eigene Umsätze erwirtschaften.

Der staatlich finanzierte, pauschalisierte Anteil der Lohnkosten pro Vollzeitäquivalent liegt im aktuellen Rechtsrahmen zur Finanzierung des Projekts zwischen 52 Prozent und 102 Prozent des Bruttostundenlohns auf Mindestlohnniveau und wird jährlich als Ministerialerlass vom Arbeitsministerium festgelegt. Für 2024 und 2025 lag er bei 95 Prozent Brutto-Mindestlohns bei einem Vollzeitäquivalenteinkommen. Die jeweiligen Landkreise sind zu einer Finanzierung von zusätzlichen 15 Prozent verpflichtet, sodass sich 2025 insgesamt eine öffentliche Finanzierung von 109 Prozent Brutto-Mindestlohn pro Vollzeitäquivalent ergab, was 23.621,60 Euro pro beschäftigte Person entspricht.

Die Finanzierung des Projekts wird als eine legitime, öffentliche Investition begründet, die Zugang zu Erwerbsarbeit schafft. Dahinter liegt die Argumentation, dass der bestehende Arbeitsmarkt strukturell nicht in der Lage ist, inklusive Beschäftigungsmöglichkeiten für alle arbeitsbereiten Personen in ausreichender Zahl bereitzustellen. Die Beschäftigungsfirmen schaffen gezielte, barrierearme Beschäftigungsmöglichkeiten und bieten dabei komplementäre Güter und Dienstleistungen auf lokaler Ebene an, die die lokale Wirtschaft fördert und lokale Bedarfe deckt.

Berechnungen zu Kosteneinsparungen

Laut makroökonomischen Berechnungen der französischen NGO ATD Quart Monde belaufen sich die staatlichen Kosten für Langzeitarbeitslosigkeit auf 16.027 bis 18.896 Euro pro langzeitarbeitslose Person. Nach diesen Berechnungen ergab sich eine Budgetneutralität des Projekts. Diese Berechnungen waren maßgebend, für eine Finanzierung des Projekts für einen ersten experimentellen Zeitraum von 2016 bis zunächst 2021.

Berechnungen der DARES zur Auswertung der zweiten Projektphase von 2021 bis 2025 schätzen die Bruttokosten für einen Arbeitsplatz mit Vollzeitäquivalent auf 26.600 Euro pro ehemals langzeitarbeitslose Person, die 2023 in einer Beschäftigungsfirma angestellt wurde. Diese Kosten werden vom Staat und den Departements übernommen. Die errechneten vermiedenen Sozialkosten (Arbeitslosengeld, Grundsicherung, Wiedereingliederungshilfen, etc.) und die durch die Beschäftigung generierten Steuer- und Sozialabgaben belaufen sich auf 12.900 bis 15.300 Euro pro Vollzeitäquivalent. Hier ist zu beachten, dass es einen hohen Teilzeitanteil unter den Beschäftigten gibt. Die Nettokosten für den Staat liegen somit zwischen 11.300 und 13.700 Euro für die Finanzierung eines Arbeitsplatzes in dem Projekt. Zusätzlich zu diesen Kosten finanziert der Staat 6.200 Euro pro geschaffenem Arbeitsplatz im ersten Jahr der Anstellung, als sogenannte Startbeihilfe. Die angedachte bzw. argumentierte fiskalische Budgetneutralität zur Finanzierung des Projekts wird nach diesen Berechnungen also nicht vollständig erreicht. Die gegenwärtigen gesamtgesellschaftlichen sozialen Kosten von Langzeitarbeitslosigkeit und prekärer Beschäftigung sind schwer zu messen, ebenso wie der soziale Nutzen, der über das Projekt entsteht (Lebensqualität, Gesundheit, Förderung von lokalen Initiativen) und kann in klassischen Haushaltsrechnungen nur begrenzt abgebildet werden.

Gender und Care im Projekt TZCLD

Frauen sind in dem Projekt insgesamt stärker vertreten als Männer. Der Frauenanteil unter den Beschäftigten liegt insgesamt bei 58 Prozent. In den städtischen Regionen liegt der Frauenanteil bei 60 Prozent, in den Quartiers politique de la ville (Strukturschwache Stadtviertel, die eine besondere finanzielle Förderung erhalten), ist der Frauenanteil sogar bei 61 Prozent. In den ländlichen Regionen liegt der Frauenanteil bei 52 Prozent. In der Altersklasse zwischen 25 bis 54 sind deutlich mehr Frauen als Männer vertreten, besonders in der Altersklasse zwischen 35 und 44 Jahren . Ein kausaler Zusammenhang mit ungleich verteilter Sorgearbeit und Langzeitarbeitslosigkeit bzw. einer Überrepräsentation in dieser Altersklasse im Projekt lässt sich an dieser Stelle nur vermuten, da hierzu keine Zahlen vorliegen.

Verteilung der Beschäftigten nach Geschlecht und Alter im Projekt TZCLD

Verteilung der Beschäftigten nach Geschlecht und Alter im Projekt TZCLD

Grafik : Bilan égalité homme femme, 2025, S. 11

Verteilung der Beschäftigten nach Geschlecht und Arbeitszeit

Verteilung der Beschäftigten nach Geschlecht und Arbeitszeit

Grafik : Bilan égalité homme femme, 2025, S. 12

Auch bei der Arbeitszeitaufteilung liegen geschlechtsspezifische Unterschiede vor. Nur 38 Prozent der Frauen im Projekt arbeiten in Vollzeit gegenüber 61 Prozent der Männer. 48 Prozent der Frauen arbeiten unter 80 Prozent, bei den Männern sind es 31 Prozent. 60,8 Prozent der Frauen sind in den Beschäftigungsfirmen in Teilzeit beschäftigt, gegenüber einem allgemeinen Durchschnitt von 26,6 Prozent in Frankreich im Jahr 2023 . Frauen mit Sorgeverantwortung betonen die gewonnen Möglichkeiten der Vereinbarkeit von Sorge- und Erwerbsarbeit, die sich für sie durch die flexible Arbeitszeit ergibt (Schmidt, 2021).

Eine Projektevaluation zur Gleichstellung von Männern und Frauen in em Projekt hebt hervor, dass über die Organisationsform und Mobilisierungsphase viele Frauen erreicht werden können, die sonst in der offiziellen Arbeitslosenstatistik nicht aufgeführt werden, da sie wegen Sorgearbeitsverpflichtungen zwar nicht Vollzeit arbeiten (können) und nicht arbeitssuchend gemeldet sind, aber trotzdem von unfreiwilliger Arbeitslosigkeit und ihren negativen Folgen betroffen sind.

Das Projekt ermöglicht außerdem, eine allein auf Produktivität ausgelegte Definition von Erwerbsarbeit zu hinterfragen. Diese entsteht durch eine Trennung von unsichtbar gemachter, unbezahlter Arbeit, die meist von Frauen, z.T. in (Erwerbs-)Arbeitslosigkeit, ausgeführt wird. Ein erweiterter Arbeitsbegriff, der nicht auf androzentrische Hierarchisierungen ausgelegt ist und emotionale Arbeit, Care-Arbeit und im weiteren Sinne Community-Care integriert, wird über das Projekt zum Möglichkeitshorizont. Es entstehen Tätigkeiten, bei denen der (wirtschaftliche) Wert dessen anerkannt wird, was oft als unbezahlte Arbeit von Frauen im Bereich der Fürsorge für andere und für die Umwelt geleistet wird: Angebote für ältere Menschen, die Einsamkeit vorbeugen sollen, Begegnungscafés, Dekoration von Schaufenstern und Verschönerung von Stadtvierteln, oder Mediationsangebote für Mieterinnen und Mieter von Sozialwohnungen. Die Anpassung der Arbeitsplätze an die Kompetenzen und Wünsche der Beschäftigten ermöglicht es, unsichtbar gemachte Kompetenzen, die in klassischer Erwerbsarbeit wenig Beachtung finden aufzuwerten und einen Rahmen zu bieten, in dem sie zum Ausdruck kommen können.

Die Tätigkeitsfelder des Projekts TZCLD können somit mit dem wirtschaftlichen Ziel des social provisioning (Power 2004) in Verbindung gebracht und als Tätigkeiten eingeordnet werden, die als Arbeiten auf der Erde (García-López 2021) den Erhalt und die Sorge für ein gutes Leben zum Ziel haben. Die Aktivitäten sind in Bereichen angesiedelt, die einen sozialen und ökologischen Nutzen aufweisen und dem Prinzip von Care für die Umwelt, Care für Gemeinden und Care für Menschen (Tcherneva, 2021) folgen, wie es Pavlina R. Tcherneva in ihrem Plädoyer für eine Jobgarantie fordert. Das Projekt bietet den Möglichkeitsrahmen, Arbeit für die Befriedigung der Bedürfnisse anderer und sich selbst zu konzipieren (Adamczak 2017, S. 249).

Die Aktivitäten des TZCLD-Projekts in einen Care-Diskurs einzuordnen ermöglicht es, seine politische Dimension zu betonen: Die kollektive Aushandlung von (lokalen) Bedürfnissen und ungedeckten Bedarfen spielt in dem Projekt TZCLD eine zentrale Rolle und weist ein, wenn auch nicht explizit gemachtes, feministisches Potential auf. In gewisser Weise birgt das Projekt das Potential, Care von Verwertungslogiken zu emanzipieren, indem lokale, soziale und ökologische Bedürfnisse nicht (nur) ins Private oder in kapitalistische Sphären externalisiert werden. Das Projekt bietet außerdem die Möglichkeit, Tätigkeiten, die zuvor oft von Frauen ehrenamtlich oder als Nachbarschaftshilfe ausgeführt wurden, im Rahmen einer bezahlten Beschäftigung anzuerkennen. Die Finanzierung des Projekts ermöglicht es, Aktivitäten ohne Rentabilitätsanspruch zu realisieren und soziale Reproduktion in den Mittelpunkt zu stellen. Des Weiteren ermöglicht das Projekt die Ausweitung der Sozial- und Solidarwirtschaft in Frankreich innerhalb eines kapitalistischen Systems. Die Beschäftigungsfirmen organisieren sich zum Beispiel als «Genossenschaften von kollektivem Interesse» (société coopérative d’intérêt collectif, SCIC) oder betreiben solidarische Landwirtschaft als Vereine ohne Zwischenhändler (Association pour le Maintien d’une Agriculture Paysanne, AMAP).

Literatur

Adamczak, Bini (2017): Beziehungsweise Revolution. 1917, 1968 und kommende. 2. Aufl. Berlin: Suhrkamp.​

ATD Quart Monde (2015): Étude macro-économique sur le coût de la privation d’emploi. Online: https://www.tzcld.fr/wp-content/uploads/2017/07/Etude-macro-MAJ-20170613.docx.pdf (zuletzt abgerufen am 13.02.2026).​

Conseil constitutionnel (1946): Préambule de la Constitution du 27 octobre 1946. Online: https://www.conseil-constitutionnel.fr/le-bloc-de-constitutionnalite/preambule-de-la-constitution-du-27-octobre-1946 (zuletzt abgerufen am 21.01.2026).​

DARES – Direction de l’animation de la recherche, des études et des statistiques (2025): Rapport d’évaluation de la deuxième phase de l’expérimentation «Territoires zéro chômeur de longue durée (TZCLD)». Rapport final du comité scientifique, September 2025. Online: https://dares.travail-emploi.gouv.fr/publication/rapport-final-du-comite-scientifique-de-levaluation-de-lexperimentation-territoires (zuletzt abgerufen am 13.02.2026).​

Defalvard, Hervé (2017): „Des communs sociaux à la société du commun.“ RECMA 345(3): 42–56.

ETCLD – Fonds d’expérimentation territoriale contre le chômage de longue durée (2025): Bilan thématique de l’expérimentation TZCLD au regard de l’égalité femmes-hommes. April 2025. Online: https://bilan.etcld.fr/documents/bilan-egalite-femmes-hommes(zuletzt abgerufen am 13.02.2026).​

ETCLD – Fonds d’expérimentation territoriale contre le chômage de longue durée (o.J.): Vision nationale. Données de l’expérimentation Territoires zéro chômeur de longue durée. Online: https://bilan.etcld.fr/donnees/vision-nationale (zuletzt abgerufen am 14.02.2026)

ETCLD – Fonds d’expérimentation territoriale contre le chômage de longue durée (2025): Bilan de la 2ème expérimentation Territoires zéro chômeur de longue durée. Online: https://bilan.etcld.fr/documents/bilan-2eme-experimentation (zuletzt abgerufen am 14.02.2026).

Garcia-López, Gustavo A. (2021): „Commoning Labour, Labouring the Commons. Centring the Commons in Environmental Labour Studies.“ In: Nora Räthzel, Dimitris Stevis, David Uzzell (Hg.): The Palgrave Handbook of Environmental Labour Studies. Cham: Springer International Publishing, S. 3–19.

Power, Marilyn (2004): „Social Provisioning as a Starting Point for Feminist Economics.“ Feminist Economics 10(3): 3–19. https://doi.org/10.1080/1354570042000267608.

Schmidt, Josephine (2021): L’inclusion dans le contexte du travail comme condition de justice sociale. Une analyse genrée sur l’inclusion avec la philosophie de Martha Nussbaum, appliquée au projet «Territoires Zéro Chômeur de Longue Durée».Unveröffentlichte Masterarbeit, September 2021.​

Semenowicz, Philippe (2016): „Le programme ‚Territoires zéro chômeur‘: une économie en commun?“ Cahier de la chaire ESS-Upem, numéro spécial: 90–102.​

Sénat (2025): Projet de loi de finances pour 2026, amendement n° II‑90 rect., présenté par M. Parigi et Mme Patru, séance du 2 décembre 2025. Online: https://www.senat.fr/enseance/2025-2026/138/Amdt_II-90.html (zuletzt abgerufen am 22.01.2026).​

Tcherneva, Pavlina R.; Nopp, Eva (2021): Plädoyer für eine Jobgarantie. Berlin: Lola Books.​

TZCLD – Territoires zéro chômeur de longue durée (o.J.): „Le financement de l’expérimentation.“ Online: https://www.tzcld.fr/faq/rubrique/financement-experimentation (zuletzt abgerufen am 13.02.2026)

Wray, L. Randall (2007): „Minsky’s Approach to Employment Policy and Poverty. Employer of Last Resort and the War on Poverty.“ Working Paper No. 515. Annandale-on-Hudson: Levy Economics Institute of Bard College

* Josephine Aman, alias Schmidt ist promoviert in Soziologie mit einem Schwerpunkt auf Geschlechterforschung am Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung (ZIFG) der TU Berlin und am Institut Catholique de Paris. Sie hat Soziale Arbeit in Berlin und Sozialwissenschaften mit einem Schwerpunkt auf solidarische Ökonomien in Paris studiert. In ihrer Dissertation beschäftigt sie sich mit Care in solidarischen Ökonomien.